|
|
Gelenkerhaltende Hüftoperationen
Operationen zur Gelenkerhaltung gewinnen heue immer mehr an Bedeutung!
Hier findet Ihr verschiedene Operationstechniken! Nur ein kompetenter Orthopäde kann beurteilen
für wen welche Operation am sinnvollsten ist, doch vielleicht kann ich Euch
das Ärzte-Latein ein wenig verständlicher machen...
Unter Hüftdysplasie versteht man eine Fehlentwicklung des Hüftgelenks, in der Regel die
unzureichende Überdachung der Hüftpfanne über den Hüftkopf, welcher oft auch nicht den idealen
Winkel zur Pfanne hat. Doch Ausnahmen bestätigen bekanntlich
die Regeln und so gibt es in seltenen Fällen auch eine zu starke Überdachung und (oder)
Probleme am Schenkelhals, dem Offset (Vertiefung zwischen Oberschenkelhals und Hüftkopf).
Osteotomie
Dieser Begriff bedeutet Knochenschnitt. Er stammt aus dem griechischen, wobei
osteon der Knochen und tome der Schnitt ist.
Unter Osteotomie versteht man also alle Operationen, bei denen eine Knochendurchtrennung
statt findet.
Zum besseren Verständnis der nachfolgenden Erklärungen hier eine Zeichnung
vom Hüftgelenk.
1. Darmbein,
2. Schambein,
3. Sitzbein,
4. Hüftkopf,
5. Oberschenkelhals,
6. grosser Rollhügel,
7. kleiner Rollhügel,
8. Oberschenkelschaft,
9. Hüftpfanne,
10. Kreuzbein
Hüftkopfumstellung
Wie in den nachfolgenden Skizzen zu sehen, wird ein Keil aus dem
Oberschenkelknochen entfernt, so dass der Hüftkopf einen anderen Winkel zur
Hüftpfanne erhält. Die vorhandene
Hüftpfanne umschliesst den Hüftkopf dann besser. Je nachdem, wie der
Hüftkopf bzw. Oberschenkelhals steht, spricht man von einer
Varisierungs- oder einer Valgisierungsosteotomie.
|
Links steht der Oberschenkelhals
zu steil (Coxa valga), durch das Heraussägen des Keils wird die Position
besser, man spricht von der Varisierung. |
Rechts steht der Oberschenkelhals
zu flach (Coxa vara), durch das Heraussägen des Keils wird die Position
besser, man spricht von der Valgisierung. |
|
Eine Hüftkopfumstellung wird oft mit einer Beckenosteotomie kombiniert,
da eine Korrektur am Hüftkopf,
je nach Ausprägung der Hüftdysplasie, nicht immer zum gewünschten Erfolg führt.
Beckenosteotomie
Beckenosteotomien haben den Vorteil, dass sie direkt an der Pfanne greifen, also
am Ursprung der Hüftdysplasie. Es gibt verschiedene Operationsmethoden.
Hier beschränke ich mich auf die bekanntesten und teilweise auch auf die von mir
überstandenen Operationen.
Pfannendachplastik
Das Darmbein wird in der Nähe der Pfanne aufgetrennt und ein Knochenspan
eingefügt. Dieser Knochenspan stammt in der Regel von einem Spender,
kann aber auch vom eigenen Beckenkamm genommen werden.
Beckenosteotomie nach Salter
Diese Methode wird auch als 1-fach Beckenosteotomie bezeichnet.
Das Darmbein wird vollständig durchtrennt und ein Knochenkeil eingesetzt.
Beckenosteotomie nach Chiari
Auch bei dieser Methode wird das Darmbein vollständig durchtrennt und der
untere Teil des Darmbeins nach innen verschoben, so dass insgesamt eine
grössere Pfanne entsteht.
Tripleosteotomie
Sie ist eine 3-fach Beckenosteotomie, bei der das Becken an drei Stellen
(Darmbein, Schambein, Sitzbein) durchtrennt und so geschwenkt wird, dass
die Hüftpfanne den Hüftkopf optimal überdacht.
Hierzu gibt es mehrere Operations-Techniken. Eine ist die 3-fach
Beckenosteotomie nach Tönnis, die in Dortmund ihren Ursprung hat und bereits
von mir ausführlich beschrieben wurde.
Oft wird auch im Zusammenhang mit der Tripleosteotomie von einer 4-fachen
gesprochen. Dies bedeutet es wird eine 3-fache und eine Hüftkopfumstellung
in einer Operation gemacht.
Periazetabuläre Osteotomie nach Ganz
Die Osteotomie nach Ganz ist der 3fach Beckenosteotomie ähnlich. Beide Operationen gehören zu den
reorientierenden Beckenosteotomien und bezwecken dasselbe.
Unterschiedlich ist die Operationstechnik.
So erfolgen bei der Osteotomie nach Ganz, die auch als Berner periazetabuläre Beckenosteotomie (PAO)
bekannt ist, die verschiedenen Durchtrennungen pfannennah, im Gegensatz zur 3fachen nach Tönnis.
Die Pfanne wird aus dem Becken herausgemeisselt und seitlich und nach vorne
herunter gebogen, oftmals erfolgt auch keine komplette Durchtrennung, sondern der Beckenring bleibt intakt.
Der Zugang erfolgt von vorne (Hüfte und Leiste), somit entfällt die bei der 3fach Beckenosteotomie übliche Po-Narbe.
Diese Methode, die nur in wenigen Kliniken Europas, z.B. in den Niederlanden, Österreich, Italien und natürlich der Schweiz durchgeführt wird,
kann für einige Patienten eine Alternative zur Tripleosteotomie sein. In Deutschland
hat sich die Charitè in Berlin auf diese Operationsmethode spezialisiert.
Hüftluxation nach Ganz bzw. Offset-Korrektur
Dies ist eine gelenkerhaltende Operationsmethode, die speziell beim
Impingementsyndrom angewendet wird. Unter einem Impingementsyndrom versteht man das zu frühe,
schmerzhafte Zusammenstossen des Oberschenkelhals mit dem vorderen Pfannenrand.
Bei dieser Operation findet am Rollhügel eine Durchtrennung statt, die später wieder mit zwei
Schrauben befestigt wird. Dies wird gemacht um das Hüftgelenk luxieren zu können, denn
erst dann ist es möglich störendes Knochenmaterial abzutragen, sowohl an der Vertiefung am
Schenkelhals, dem Offset, als auch am Pfannenrand.
"Hüftgelenksluxation nach Ganz" heisst die Operationstechnik in der Schweiz und
in Deutschland ist sie unter dem Namen Offset-Korrektur bekannt!
Quellenangabe:
Die Zeichnungen auf dieser Seite stammen überwiegend aus dem Buch:
Hüftdysplasie von Dr. med. Matthias Pothmann
"Vielen Dank für die Erlaubnis Ihre Zeichnungen auf meiner Homepage verwenden zu dürfen !!!"
|
|