Zeit

Wer keine Zeit für seine Gesundheit aufwendet,
wird eines Tages viel Zeit für seine Krankheiten aufwenden müssen

 
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Hallo ich heisse Nadine bin 1980 geboren - also im Moment 27 Jahre alt.

Vorgeschichte:
Leider wurde meine Hüftdysplasie erst 2002 diagnostiziert. Als ich damals geboren wurde - legte man mich einfach nur auf den Bauch und betrachtet die Pofalte - ganz hundertprozentig waren die nicht gleich, also rat man meiner Mutter mich breit zu wickeln. Zum Glück, sonst wäre meine HD wahrscheinlich jetzt noch schlimmer. Mit 14 Jahren hatte ich einen riesen Wachstumsschub - und dann auch Schmerzen in den Leistengegenden an beiden Hüften, meistens nach starker Belastung. Also ab zum Kinderarzt. Der meinte "Kind bist zu schnell gewachsen, da ist Knorpelgewebe nicht mitgekommen,das verwächst sich wieder." Nun im Nachhinein überlegt war es vielleicht damals schon die HD gewesen. Da ich dann aktiver Sport getrieben habe - u.a. reiten , hielten sich meine Schmerzen in Grenzen und fielen mir nie wieder besonders auf.

Bis im Februar 2002 - beim Badminton eine falsche Bewegung und ich konnte mich nicht mehr bewegen . Erst dachte ich "Scheisse irgendwas gerissen" also ab zum Orthopäden - Röntgenbild gemacht und Diagnose : Hüftdysplasie ( O-Ton von meinem Arzt - fahren sie nach Dortmund lassen sie beide Seiten operieren , sie fallen ein Jahr aus :-o ) Also ab nach Dortmund vorgestellt. Die sagten das gleiche und nahmen mich auf die Warteliste - damals 5 Jahre. Zwischendurch hatte ich mal ein wenig Krankengymnastik und sonst hatte ich meine Hüfte fast wieder vergessen . Das Badminton spielen habe ich allerdings an den Nagel gehangen :(

2007 kam dann das Schreiben - OP Termin am 31.03.2008 .. Oh mein Gott , jetzt war es soweit . Also wieder ein wenig im Internet gesurft und hier auf die Homepage und aufs Forum gestossen. Da habe ich dann von Wuppertal gehört und war mich da vorstellen. Mittlerweile hatte ich regelmässig Schmerzen - beim stehen, beim laufen, beim sitzen, beim liegen und manchmal auch beim reiten .
Also vorgestellt. Dr. Cordier meinte - wir operieren ,wann wollen sie kommen? Am 29.11.2007 ist noch was frei ... :-o das ja schon in einem halben Jahr - auf einmal ging alles so schnell. Termin zugesagt und los ging die Vorbereitungszeit.

Vorbereitungszeit:
Ich habe meine Krankenkasse schon mal angeschrieben, habe meinem Chef Bescheid gesagt, damit der sich um eine Vertretung kümmern konnte. Im September habe ich dann angefangen mit Kräuterblut und Eisentabletten und habe einen Rückenkurs belegt - da langes liegen mir noch nie gut bekam ( es war die richtige Entscheidung, ich hatte nie Rückenschmerzen während der Liegezeit). Mit meinen Eltern habe ich dann abgeklärt das ich für die Liegezeit wieder zu ihnen zurückziehe - mehr unfreiwillig als freiwillig - aber alleine konnte ich mich einfach nicht versorgen. Und aufeinmal war schon Ende Oktober. Also ab zum Blutspende. 2x habe ich es geschafft - war mächtig stolz auf mich :-) Und dann auf einmal war schon der 27.11. der letzte Abend in meiner Wohnung. Alle Tiere waren schon untergebracht - und es war total ruhig und ich ein halbes Nervenbündel. Am liebsten hätte ich noch 1000 mal meine Wohnung geputzt, meine Tasche aus und wieder eingepackt - aber irgendwann musste ich ja auch mal ins Bett. Morgens um halb neun holten meine Eltern mich ab. Ab in die Ambulanz - aufs Zimmer - zum Röntgen - der Narkosearzt schaute noch vorbei und zum EKG musste ich noch. Alles Routine im Krankenhaus und ich hatte Gott sei Dank was zu tun. Abends gab es dann das tolle Abführzäpfchen .. bäh fieses Gefühl .. Aber ich hatte es mir schlimmer vorgestellt. Dann noch eine Schlaftablette genommen und weg war ich .....

Operation:
Am Morgen gab es dann noch die tolle Leck-mich-am-Arsch-Tablette und ich durfte mich duschen und rasieren und umziehen. Schicke Engelshemdchen haben die da .. lach ... Und auf einmal war ich auch schon auf dem Weg in den OP. Man legte mir den Zugang an der Hand und im sitzen wurde mir der PDA gelegt. War ein komisches Gefühl - ein leichter Druck, tat aber nicht weh. Mein Kreislauf sah das wohl anders und pünktlich als das Ding richtig lag musste ich mich auch ganz schnell hinlegen ... Dann hiess es noch - so wir geben ihnen was gegen die Übelkeit und weg war ich .... Wach wurde ich dann wieder auf der Intensivstation. Cordier machte noch den "Bewegen sie mal die Zehen"-Test .. Super .. Schmerzen ?? Nein .. Perfekt .. dann schlafen sie noch was .. Lach der ist lustig, das habe ich doch gerade die ganze Zeit schon gemacht. Also ein bisschen mit den Schwestern und meinen Eltern unterhalten. Viel weiss ich trotzdem nicht mehr. Sobald ich irgendwie ein schmerzverzerrtes Gesicht gemacht habe, kam schon jemand und gab mir was. Die Nacht ging relativ schnell vorbei - ein paar Mal habe ich auch geschlafen sonst mich nett unterhalten oder die Uhr hypnotisiert - Gott sei Dank hatte ich meinen MP3-Player mit. Am Morgen gab es dann die toll Hühnerbrühe und ein Brötchen mit Marmelade - na gibt schlimmere Frühstücks , war okay. Und dann ging es ab auf Station.

Bei mir wurde übrigens eine 3-fache Beckenosteotomie nach Kalchschmidt und Cordier durchgeführt - steht so in meinem OP-Bericht, den ich mir noch habe geben lassen.
Die Zeit im Krankenhaus war super lustig. Ich hatte so gut wie nie Schmerzen - klar hin und wieder ziept und zwickts mal -aber ich hatte es mir viel schlimmer vorgestellt. Die Schwestern und Zivis auf der 3b waren super nett und ich hatte auch Glück mit den Zimmernachbarn. Am 13 Tage nach der OP ging es nach Hause. Mit dem Liegendtransport, sehr lustig, und war mal ne Erfahrung.

Die Zeit danach:
Die Zeit danach habe ich eigentlich sehr gut überstanden. Bett und Toilettensitz waren schon da und standen für mich bereit. Über die Feiertage war immer jemand da. Meine Mutter und mein Vater haben mich sehr gut mit allem versorgt und sogar das duschen in unsere Dusche klappte mit Hilfe. Dank Laptop, Fernseher und Telefon waren die Tage schnell vorbei und schwups war die 6 Wochenkontrolle da. Ab zum Orthopäden - Foto schiesen und meine Mutter hat es dann persönlich nach Wuppertal gebracht. Die war noch nicht wieder in Düsseldorf angekommen , da klingelte bei mir schon das Telefon - Dr. Cordier .. Sie dürfen sitzen .. freu freu .. und glatt ein Freudentränchen verdrückt. Also gleich mal das Kopfteil höher gestellt. War das ein tolles Gefühl. Noch eine Woche Daddy zuliebe schön vorsichtig und dann ab in die weite Welt. Hier mal nen Kaffee trinken , hier mal nen Eis schnabulieren ... War das schön .. Ich konnte wieder unter Leute. So gingen die weiteren 6 Wochen auch schnell vorbei. Am 18.02.2008 ging es dann wieder nach Wuppertal. Wieder Foto schiesen ( bin bestimmt schon total verstrahlt ;-) ... ) und Dr. Cordier gab die Starterlaubnis .. 2 Wochen 30kg, dann 1 Woche 50kg und dann Volllast ... WAS ?? So schnell auf einmal .. Hilfe ... wahnsinn ... ich habe gestrahlt wie ein Honigkuchenpferd.... Auftreten .. war das toll ....
Ein paar Tage später kam dann auch Post von der Rentenstelle - Reha genehmigt und dann auch noch da, wo ich hinwollte . Mache eine ambulante Reha .. Super .. Wow .. Meine Glückswoche ..

Wie geht es mir jetzt?
Ich bin 11 Tage auf Volllast, also 14 Woche nach OP, und mir geht es super- keine Schmerzen , kann schon wieder kanpp über 90 beugen - weiter darf ich noch nicht und auch das abspreizen klappt immer besser. Bis auf einige leichte Muskelkater klappt das laufen richtig gut. Ich hoffe das die nächste Zeit genauso so super verläuft, die Reha mir weiterhilft und ich im Mai wieder anfangen kann zu arbeiten! Werde euch auf dem laufenden halten .....

Februar 2008, Nadine      
nadineboeckem@arcor.de



...so nun habe ich die Reha hinter mir (letzer Tag 24.04.2008) und morgen fange ich wieder an zu arbeiten. Ich habe eine ambulante Reha gemacht und muss sagen - die hat sich voll gelohnt. Ich laufe nun fast hinkfrei und die Schmerzen, die ich noch hin und wieder habe, sind Muskelverspannungen wenn ich mal wieder schief gelaufen bin oder mich überanstrengend habe - doch mit einer Massage dann relativ gut in den Griff zu bekommen.

Das Programm in der Reha sah folgender Massen aus: ich hatte täglich Einzelphysio, wo wir abwechselnd Verspannungen lösten (Massagen), Gangbildtraining und Gleichgewichtstraining gemacht haben - dann gab es noch Gruppenphysio, quasi Gymnastik und Sport mit Stepper, Bällen usw. - dann hatte ich noch Gerätetraining, 2-3x die Woche Aquagymnastik, täglich Massagen, Fango oder Lymphdrainagen (wobei da oft ne Beinmassage drausgemacht wurde). Dann noch Vorträge über alles mögliche, zwangsweise da meine Reha ja vom Rentenbund gezahlt wurde und ganz wichtig das Mittagessen *lach*
Hin und zurück bin ich selber mit der Bahn gefahren und am Ende sogar 2 Tage mit dem Fahrrad - da war ich richtig Stolz auf mich. Leicht gejoggt (so 20 Meter) bin ich auch schon - und wenn ich es unbewusst mache dann verkrampfen meine Beinmuskeln auch nicht - alles Kopfsache, dass der immer so mitmischen muss *grummel*

Als Fortsetzung der Reha habe ich nun noch das IRENA-Programm beantragt und das fängt am 05.05.2008 an.

Das Fahrradfahren in freier Wildbahn klappt auch schon und Tretboot fahren waren wir gestern auch schon. Alles in allem bin ich super zufrieden bisher, vor allem wenn man überlegt, dass ich vor 5 Monaten gerade mal rein bin ins Krankenhaus. Erst 5 Monate her und jetzt Schmerzfrei - wie war das doch gleich als man noch Schmerzen beim sitzen, laufen, liegen und stehen hatte *grübel* - schön, dass der Körper Schmerzen so schnell vergessen kann, aber ich glaube zu wissen, dass man nun Schmerzfrei ist, lässt einen das Leben noch mehr geniessen, weil man weiss, dass es auch anders sein kann.

So ich werde Euch in ein paar Monaten noch mal auf den neusten Stand der Dinge bringen. Wenn ihr sonst noch Fragen habt - dann mailt einfach. Emailaddy steht ja drunter unterm Bericht. Bis dahin noch einen schönen Frühling und Sommer ! Und vergesst nie - lieber ca 6 Monate eingeschränkt leben als ein ganzes Leben mit Schmerzen.


Bis dahin Eure Nadine

April 2008, Nadine     
nadineboeckem@web.de








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